Ratgeber

Morgens oder abends gießen?

Am besten früh am Morgen, solange es kühl ist. Abends geht es auch, wenn die Blätter trocken bleiben. Mittags verdunstet am meisten Wasser. Hier steht, was hinter diesen Regeln steckt und worauf es außer der Uhrzeit ankommt.

Morgens verdunstet weniger

Früh am Morgen sind Luft und Boden noch kühl. Es verdunstet weniger, und die Pflanzen haben das Wasser für die heißen Stunden zur Verfügung. Was auf den Blättern landet, trocknet schnell wieder ab, das senkt die Gefahr von Pilzkrankheiten. Die erste Gießregel der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau heißt deshalb „Besser morgens als abends“.

Mittags geht viel Wasser verloren

In der Mittagshitze verdunstet ein großer Teil des Wassers, bevor es die Wurzeln erreicht. Ein Regner ist außerdem windanfällig, bei Wind verteilt er das Wasser ungenau.

Verbrennen nasse Blätter in der Mittagssonne?

Ob Wassertropfen auf Blättern wie Brenngläser wirken, hat ein Team der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest 2010 untersucht. Auf glatten, unbehaarten Blättern von Ginkgo und Spitzahorn verursachten sonnenbeschienene Tropfen keine Verbrennungen. Schäden fanden die Forschenden beim Schwimmfarn, dessen wasserabweisende Härchen die Tropfen über dem Blatt halten. Gegen das Gießen am Mittag spricht damit vor allem die Verdunstung.

Abends bleibt es über Nacht feucht

Was abends auf dem Laub landet, bleibt oft bis zum Morgen nass, und nasse Blätter begünstigen Pilzkrankheiten. Bei Tomaten vermehren sich zum Beispiel die Sporen der Kraut- und Braunfäule bei Blattnässe gut. Die Sächsische Gartenakademie rät deshalb, die Pflanzen oberirdisch möglichst trocken zu halten.

Dazu kommen Schnecken. Sie bestehen zu etwa 85 Prozent aus Wasser und haben keine Haut, die sie vor dem Austrocknen schützt. Deshalb sind sie vor allem nachts unterwegs. Wer morgens gießt, lässt die Erdoberfläche bis zum Abend abtrocknen. Wer abends gießt, fördert die Schnecken, schreibt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

Wann der Abend trotzdem passt

Abends zu gießen ist in Ordnung, wenn das Wasser auf die Erde geht und das Laub trocken bleibt. Mit einem Tropfschlauch eignen sich Morgen und Abend gleichermaßen, schreibt der Beratungsdienst der Iowa State University. Wo viele Schnecken unterwegs sind, bleibt der Morgen die bessere Wahl.

Worauf es außer der Uhrzeit ankommt

An den Wurzeln gießen

Gieß an den Fuß der Pflanze und lass die Blätter trocken, das beugt Pilzkrankheiten vor. Ein Tropfschlauch macht das von selbst. Unkraut und Krankheiten haben es dann schwerer als unter einem Regner, der Boden und Blätter auf der ganzen Fläche benetzt. Wie lange der Schlauch laufen sollte, steht im Ratgeber zur Laufzeit des Tropfschlauchs.

Selten und gründlich gießen

Ein Liter Wasser pro Quadratmeter dringt etwa 1 cm tief in den Boden ein. Die meisten Wurzeln liegen in etwa 15 cm Tiefe, dort kommt erst etwas an, wenn rund 15 Liter pro Quadratmeter gegossen sind. Ein paar Liter jeden Abend erreichen die Wurzeln also nicht. Eine kräftige Gabe ist besser als viele kleine, sie durchfeuchtet die tieferen Wurzelschichten, und es gibt weniger Schneckenbefall. Danach darf die Oberfläche abtrocknen. Ob es gereicht hat, zeigt ein Spatenstich.

Töpfe, Sandboden und junge Pflanzen

In einem Topf ist wenig Erde und damit wenig Vorrat. Je kleiner er ist, desto öfter braucht er Wasser. Bei kleinen Töpfen in voller Sonne kann an heißen Tagen eine zweite Gabe nötig sein. Gieß dann morgens und noch einmal am Abend, direkt auf die Erde. Auch Sandboden muss öfter gegossen werden. Er hält je 10 cm Schicht nur etwa 5 Liter pro Quadratmeter für die Pflanzen bereit, ein Lehmboden etwa 22 Liter.

Frisch Gesätes braucht eine gleichmäßig feuchte Oberfläche. Neu gepflanzte Sträucher und Bäume gießt du im ersten Jahr bei Trockenheit regelmäßig. Mehr dazu im Ratgeber Anwässern nach dem Pflanzen.

So gießt Tropfwerk

Tropfwerk rechnet aus, wie viel Wasser im Boden jeder Zone fehlt, und gießt das vor Sonnenaufgang nach, solange es kühl ist. Tropfzonen bringen das Wasser direkt an die Wurzeln. Für sie rechnet Tropfwerk mit den Schlauchangaben, also mit Länge, Tropferabstand und Durchfluss je Tropfer. Regnet es, macht Tropfwerk eine Regenpause und zählt dabei nur gemessenen Regen. Für frisch Gepflanztes gibt es eine eigene Anwässerung, die am letzten Tag von selbst endet.

Gießen, bevor es warm wird

Tropfwerk gießt vor Sonnenaufgang und pausiert bei Regen. Wie das aussieht, zeigt die Live-Demo.

Quellen

Abgerufen am 19. Oktober 2026.