In zwei Schritten zur Laufzeit
1. Die Gießleistung
Auf dem Schlauch oder seiner Verpackung steht, wie viele Liter ein Tropfer pro Stunde abgibt, meist 1 bis 4 Liter, und in welchem Abstand die Tropfer sitzen. Dazu kommt der Abstand zwischen zwei Strängen. Liegt nur ein Strang an der Hecke, nimmst du stattdessen die Breite des Streifens, den er versorgt.
Gießleistung in mm/h = Liter je Tropfer und Stunde ÷ (Tropferabstand × Abstand der Stränge, beides in Metern)
Das geht auf, weil 1 Liter auf 1 Quadratmeter 1 mm Wasserhöhe ergibt. Tropferabstand mal Strangabstand ist die Fläche, die ein Tropfer versorgt.
2. Die Minuten
Minuten = Bedarf in mm ÷ Gießleistung in mm/h × 60
Was deinen Pflanzen am Tag fehlt, bestimmst du wie im Ratgeber zum Wasserbedarf beschrieben. Gießt du nicht täglich, zählst du den Bedarf der Tage seit der letzten Bewässerung zusammen.
Ein Rechenbeispiel für die Hecke
Die Werte im Kasten sind Beispielwerte.
Beispielwerte
- 2 Liter je Tropfer und Stunde
- Tropferabstand 40 cm
- ein Strang, der einen 50 cm breiten Streifen versorgt
- Tagesbedarf 4 mm
Rechnung
- Ein Tropfer versorgt 0,4 m × 0,5 m = 0,2 m².
- 2 l/h ÷ 0,2 m² = 10 l/m² pro Stunde, also 10 mm pro Stunde.
- 4 mm ÷ 10 mm/h × 60 = 24 Minuten.
2 l/h auf 0,2 m² = 10 mm pro Stunde
Auf 10 m Hecke sitzen 25 Tropfer mit zusammen 50 l/h. In 24 Minuten geben sie 20 Liter auf 5 m² Streifen ab, also 4 Liter je Quadratmeter. Die Länge ändert die Liter, die Minuten bleiben gleich. Gießt du nur alle drei Tage, rechnest du mit 12 mm und kommst auf 72 Minuten.
Warum ein Tropfschlauch länger läuft als ein Regner
Ein Tropfer gibt nur wenige Liter pro Stunde ab, und das an einer Stelle. Tropfbewässerung bringt das Wasser deshalb viel langsamer aus als ein Regner. Das ist gewollt. Der Boden hat Zeit, das Wasser aufzunehmen, und an der Oberfläche läuft in der Regel nichts ab. Langsam heißt trotzdem nicht beliebig lang. Die Colorado State University rät davon ab, einen Tropfschlauch über Nacht laufen zu lassen, nur weil er langsam tropft.
Mit oder ohne Druckausgleich
Druckkompensierende Tropfer geben über einen weiten Druckbereich dieselbe Menge ab, am Anfang des Schlauchs wie am Ende. Dann gilt die Literzahl vom Schlauch für jeden Tropfer, und die Rechnung stimmt auf der ganzen Länge. Schläuche ohne Druckausgleich eignen sich nach der Bayerischen Gartenakademie für ebene Flächen und kurze Stränge. Bei längeren Leitungen rät sie zu druckkompensierten Schläuchen. Am Hang oder auf langen Strängen ohne Druckausgleich prüfst du am Strangende mit dem Spaten nach.
Sand, Lehm und lange Laufzeiten
Auf Sand sickert das Wasser rasch nach unten, und der Boden hält wenig davon fest. In Lehm und Ton breitet es sich stärker zur Seite aus, dafür nimmt der Boden es langsamer auf. Kommt dort mehr, als er aufnimmt, bleibt Wasser an der Oberfläche stehen.
Lange Laufzeiten teilst du deshalb in mehrere Gaben mit Pausen dazwischen. Die Bayerische Gartenakademie verteilt zum Beispiel 20 Liter je Quadratmeter auf drei bis vier Teilgaben über gut drei Stunden. Mehr als 20 bis 25 Liter je Quadratmeter auf einmal nimmt ein Boden im Sommer nach ihren Angaben nicht auf, der Rest sickert tiefer, bis ins Grundwasser. Auf Sand helfen kürzere, häufigere Gaben, damit das Wasser im Wurzelraum bleibt.
Mit dem Spaten nachsehen
Ob die Laufzeit passt, zeigt der Boden. Grab ein bis zwei Stunden nach dem Gießen neben einem Tropfer mit dem Spaten ein Loch oder zieh mit einem Bodenprobenstecher einen Kern. Feuchte Erde ist dunkler als trockene. Laut Gartenakademie Rheinland-Pfalz sollte der Boden nach dem Gießen 15 bis 20 cm tief gut durchfeuchtet sein. Prüf auch in der Mitte zwischen zwei Tropfern, denn ein Tropfschlauch befeuchtet nur einen Teil des Bodens.
Bleibt der Boden an den Wurzeln trocken, verlängerst du die Laufzeit. Ist er weit darunter nass, kürzt du sie. Die Bayerische Gartenakademie beobachtet bei automatischen Tropfanlagen in vielen Fällen zu viel Wasser.
Junge Hecke, eingewachsene Hecke
Zusätzliches Wasser brauchen laut Bayerischer Gartenakademie vor allem frisch gepflanzte Gehölze in den ersten 2 bis 5 Jahren und wasserliebende Arten wie Thujen. Frisch gepflanzte Thujen gießt du je nach Boden und Wetter ein- bis dreimal pro Woche durchdringend.
Eingewachsene Gehölze wurzeln in der Regel weit und tief und müssen nur in Einzelfällen gegossen werden. Eine Thujahecke braucht nach dem Anwachsen im Sommer nur in längeren Trockenperioden Wasser, dann durchdringend mit mindestens 10 Litern je Quadratmeter und Gießgang. Mit dem Schlauch aus dem Beispiel sind das mindestens 60 Minuten.
Was Tropfwerk dabei rechnet
Tropfwerk rechnet das für jede Zone selbst. Für eine Tropfzone genügen die Schlauchangaben: Länge, Tropferabstand und Liter je Tropfer. Daraus ergibt sich der Durchfluss der Zone. Wie viel Wasser im Boden fehlt, bestimmt Tropfwerk täglich aus den Wetterdaten nach FAO-56 und gießt die fehlende Menge vor Sonnenaufgang nach. Auf Lehm und am Hang gießt es mit Cycle & Soak in Etappen und lässt dazwischen Zeit zum Einsickern. Weil Tropfwerk bei Tropfzonen mit den Angaben vom Schlauch rechnet, lohnt sich dort ein druckkompensierender Schlauch.
